Vom kleinen Herzen und seinen Schmerzen ....

Seit Tagen ging es dem kleinen Herz nicht gut. Ständig schlug es heftig und konnte nicht einschlafen. Das kleine Herz wusste nicht mehr, was es noch machen sollte. Es fragte um Rat. Zuerst den Magen, doch auch der Magen war nicht in Stimmung. Dann die Lunge, diese konnte allerdings selbst seit einiger Zeit nicht vernünftig atmen lassen. Auch die kleinen Händen zitterten oftmals. Egal, wen das kleine Herz auch bat – keiner wusste eine Antwort.
So blieb dem kleinen Herz nichts anderes übrig, als sich dem Gehirn zuzuwenden. Dieses hat eigentlich immer eine Antwort parat, doch als das kleine Herz fragte, wieso es denn in letzter Zeit so heftig schlug und es sich manchmal so bedrückt vorkam, bedauerte auch das Gehirn: „Mein kleines Herz, oft weiß ich, was zu tun ist, doch leider kann ich dich dieses Mal nicht helfen. Du musst dich schon selbst auf die Reise machen und sehen, was dich so zum Pochen bringt.“
So richtig wusste das kleine Herz auch nicht, was es jetzt zu tun hatte. Irgendwann kam ihm jedoch die Idee, sich hinaus zu wagen in die große, weite Welt und zu schauen, was der Grund für das Pochen und Schlagen ist. Zuerst ging das kleine Herz die Straßen entlang. Es blickte sich überall um, doch nichts geschah. Alles beim Alten. Langsam ging es weiter und es stapfte durch den Park. Ein wunderschönes Naturschauspiel bot sich dort, als sich zwei kleine Vögel Eichhörnchen neckisch ihre Nüsse zuspielten. Doch eine richtige Klärung seines Befindens, konnte das kleine Herz auch hier nicht feststellen.
Das kleine Herz zog weiter und weiter. Über Stock und über Stein, durch Täler und über Berge, doch egal, was es auch tat, so richtig zufrieden war es nie mit den Antworten. Dabei traf das Herz auch auf viele Menschen, jung und alt, die alle möglichen Auskünfte erteilten. Die einen sagten, man müsse nur immer dem Herzen folgen, die anderen meinten, immer der Nase nach, wieder andere glaubten, diese Frage kann keiner beantworten, und ganz andere meinten, die Zeit wird alles zeigen.
Vor allem über die Äußerungen über das Herz musste das kleine Herz sehr lachen – war es denn nicht das kleine Herz selbst, das nach einer Antwort suchte? Schmunzelnd marschierte das kleine Herz weiter. Tapfer, denn immer noch spürte es dieses Pochen. Manchmal heftig, manchmal aber auch etwas weniger. Aber eigentlich war es immer da, dieses Schlagen.
Nach einigen Tagen brauchte das kleine Herz aber unbedingt eine Pause. Gerade sah es einen schönen Platz und dachte sich, hier möge es doch hübsch sein. Und tatsächlich, die Sonne schien, der Himmel ein Anstrich in einem schimmerndem weiß-blau. Hier wollte sich das kleine Herz erst einmal zur Ruhe setzen. Auch die Zunge meldete sich jetzt zu Wort und verlangte nach einem Glas Wasser. Doch gerade als die Zunge die letzten Worte ausgesprochen hatte, zog sich das Herz zusammen, die Atemwege stockten, die Händen fingen wieder an zu zittern. Was geschieht mit mir, fragte das kleine Herz. Das kleine Herz blickte sich um. Und plötzlich schlug es nicht mehr, es blieb beinahe stehen. Nur noch ganz wenige Schläge, diese aber unbarmherzig laut. Das kleine Herz hatte so etwas noch nie gespürt, nicht in dieser Intensität. In dieser Notsituation fragte das kleine Herz das Gehirn noch einmal um Hilfe: „Was ist mit mir los, warum fühle ich mich plötzlich so schwach?“
Das Gehirn wartete ein paar Sekunden, ehe es sprach: „Mein kleines Herz...dir ist etwas Außergewöhnliches widerfahren. Etwas alltägliches für viele, viele Menschen und doch etwas so einzigartiges. Das Geschenk, das man dir bereitet hat, ist das Gefühl von Geborgenheit, Zuneigung.“
Das kleine Herz verstand nicht recht. Das Gehirn sprach mit Engelsgeduld weiter: „Das Auge hat es mir gerade zugeflüstert. Hat die Zunge nicht schon vor Tagen genau an diesem Ort ein Wasser bestellt? Und das wunderschöne Mädchen, dass das Auge gerade wieder gesehen hat, hat dir, mein kleines Herz, dieses atemraubende und fesselnde Pochen und Schlagen geschenkt.“
Jetzt wusste das kleine Herz, was mit ihm geschehen war. „Ich verstehe“, antwortete das kleine Herz, „und was ist jetzt zu tun?“
„Das, mein kleines Herz, das musst du dir jetzt selbst überlegen.“
Und so tippte das kleine Herz fleißig diese Zeilen ein, um zu sagen, dass das Schönste an manchen Menschen ist, dass sie wie ein Herzbeben sind, das erschüttert bis ins Mark.

18.8.10 03:18

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